[Reisebericht] Moskau und Wolgograd mit Jens - Russland erleben

[Reisebericht] Moskau und Wolgograd mit Jens

Ich habe mit Jens über seine Reise(n) nach Russland gesprochen. Er ist Leser von "Russland erleben" und wir waren so bereits vor seiner Reise in Kontakt.

Jens hat selbst einen sehr interessanten Blog namens Mueslipics, in dem er Dir von seinen zahlreichen Reisen (nicht nur Russland) berichtet und dabei auch unglaublich tolle Fotos präsentiert.

Im Juni 2019 reiste er nach Moskau, Wolgograd und anschließend auch noch weiter in die USA nach Chicago und Washington D.C. Schau unbedingt auch seinen Artikel zu dieser Reise an. So kannst Du noch viele weitere Infos und Details erfahren und die vielen schönen Fotos begutachten.

Wir haben darüber gesprochen was man in Moskau und Wolgograd nicht verpassen darf, w​o Jens in Russland schon überall war und wo er die Unterschiede zwischen Russland und den USA sieht.

"​Ich habe die Russen immer als gastfreundliches und hilfsbereites Volk kennen- und schätzen gelernt​. Die russische Seele ist auf jeden Fall erlebenswert."

Hallo Jens, stell​e Dich bitte kurz vor.

​Ich bin Jens, 48 Jahre alt, arbeite bei einer deutschen Charterfluggesellschaft am Boden und in meiner Freizeit reise und fotografiere ich gern.

​Es ist ja nicht Deine erste Russlandreise. Wo warst Du bisher schon in Russland unterwegs?

​Ich war 1989 kurz vor dem Abi auf Klassenfahrt in Moskau und kenne daher gewissermaßen auch noch die Sowjetunion​. 2005 ging es dann mit meinem Vater auf der Transsib von Moskau nach Peking​ und 2014 habe ich mir S​ankt Petersburg angeschaut​. 2015 das Kaliningrader Gebiet und dieses Jahr stand dann mal wieder Moskau auf dem Zettel. 

Ein stalinistisches Gebäude an der Moskwa in Moskau

Ein Gebäude der "7 Schwestern" im stalinistische​n Zuckerbäckerstil an der Moskwa ​© Jens

Ich fand Russland schon immer ein spannendes Land, als ich aufwuchs, war die Welt noch in zwei Blöcke geteilt und 100 Kilometer östlich meiner Heimstadt Hannover die Welt mit Brettern vernagelt.

Insofern war ich auch schon immer neugierig auf die vermeintlich Bösen, zumal Sting schon damals sang, „the Russians love their children too“

​Wie bist Du auf Moskau und Wolgograd gekommen?

​Nach ’89 und ’05 hatte ich einfach mal wieder Lust, zu schauen, was sich in Moskau so verändert hat. Beim ersten Mal war ich auf Klassenfahrt, der Transsibtrip war eine organisierte Reise und nun wollten wir die Gelegenheit nutzen, einfach mal ganz in Ruhe das anzuschauen, wozu wir Lust hatten.

Da wir eine ganze Woche Zeit hatten, habe ich überlegt, was da noch reinpassen könnte und kam auf die Idee, einmal nach Wolgograd zu fahren, die Mutter-Heimat-Statue anzuschauen und zu gucken, wo sich eine entscheidende Schlacht des 2. Weltkrieges aka Großer Vaterländischer Krieg zugetragen hat.

​Hast Du Dich speziell auf diese Reise vorbereitet?

​Naja, ich habe halt Reiseführer gewälzt, das Internet durchforstet und mich rundum schlau gemacht, was spannend sein könnte. Dazu mussten Fahrkarten für die Zugfahrt nach Wolgograd gebucht werden​, Flugtickets zurück und natürlich die Visaformalitäten gepaart mit der Frage ob in Russland nun eine Registrierung erforderlich ist, oder nicht.

Gebäude auf dem Gelände der WDNCh Ausstellung der Errungenschaften der Volkswirtschaft in Moskau

​Das Gelände der WDNCh Ausstellung der Errungenschaften der Volkswirtschaft © ​Jens

​Wie steht es um Deine russischen Sprachkenntnisse?

​Hallo, bitte, danke, die Zahlen von eins bis fünf, Mineralwasser und zwei große Bier - das war es d​ann auch. Aber ich kann die kyrillische Schrift lesen, was einen hin und wieder schon ganz schön weiterbringt.

Nun ist Russland zwar nicht das Land in dem man - außer im Hotel - mit Englisch allzu weit kommt, wenngleich sich da eine Menge getan hat. Aber Gott sei Dank sind die Menschen in Russland meist freundlich und nicht sehr schüchtern, so dass man mit Händen und Füßen weiterkommt und dabei meist noch nette Erlebnisse hat.

​Warum hast Du die Reise individuell und nicht mit einer Reiseagentur gemacht?

​Dank des Internets kann man heute eine Menge Dinge selbst erledigen, außerdem habe ich das mit den Reisen mal von der Pike auf gelernt und bin ja recht häufig unterwegs, so dass ich da vermutlich auch eine gewisse Routine habe. Auf jeden Fall hat alles reibungslos geklappt!

​Wie waren Deine Eindrücke von Moskau?

Die Basilius Kathedrale in Moskau bei Sonnenuntergang

​Die Basilius-Kathedrale auf dem Roten Platz © Jens

​Moskau war toll und hat sich richtig gemacht. Offenbar hat die Fu​ßball WM in 2018 nochmal einige Gelder locker gemacht und der Stadt neben den politischen Interessen, eine Vorzeigehauptstadt zu haben, nochmal einen ordentlichen Schub ​gegeben.

Die Stadt muss sich neben anderen europäischen Großstädten nicht verstecken​. Man kommt mittlerweile problemlos vom Flughafen in die Stadt, die Metro hat eine englische Beschilderung bekommen, ebenso wie englische Wegweiser für Touristen. 

​In den Lokalen gibt es auch meist englischsprachige Speisekarten. Moskau ist also auf jeden Fall weltoffener geworden​ und zum Anschauen hat die Stadt ja eine Menge zu bieten.

Die Kremlmauer vom Roten Platz aus am Abend

​Die Kremlmauer vom Roten Platz aus​ © Jens

​Was hast Du alles entdeckt und welche Sehenswürdigkeiten waren besonders interessant?

​Wir hatten dreieinhalb Tage in der Stadt und sind von morgens bis abends kreuz und quer rumgelaufen. Neben den Standards wie Kreml, Metro, Lomonossow-Universität, Arbat, ​Rotem Platz, dem Blick von den Sperlingsbergen und unzähligen Metrofahrten, waren wir noch auf dem Gelände der früheren Allunionsausstellung (WdNCh)​ und auf dem Friedhof der gestürzten Denkmäler​.

Wir sind ein wenig Tatra Straßenbahn gefahren und haben Chebureki in einer russischen Kantine gegessen (gewissermaßen ein Relikt aus Sowjetzeiten). Besonders erwähnenswert ist noch eine der neuesten „Errungenschaften“, der Sarjadje Park auf dem Gelände von Europas ehemals größte​m Hotel, dem Rossija. Hier kann man heute im Grünen flanieren und von der schwebenden Brücke die Aussicht genießen.

Sarjadje Park in Moskau mit Blick auf den Kreml und die Basilius-Kathedrale

​Sarjadje Park mit Blick auf den Kreml und die Basilius-Kathedrale © Jens

​Wie hat es mit der Kommunikation und Orientierung vor Ort geklappt?

​Das hat wunderbar funktioniert und war wirklich völlig problemlos​. Die Stadt ist mit Wegweisern auch in englischer Sprache ausgestattet, die Metro ist mittlerweile​ auf Englisch beschildert und auch die Stationsansagen in den Zügen ​werden auf Englisch wiedergegeben. Den Rest erledigten Google Maps und die Yandex.Metro App. Das lief völlig reibungslos.

Hattest Du sonst noch irgendwelche Hilfsmittel oder bestimmte Handy Apps?

​Wie gesagt, Google Maps, die ​​Yande​x.Metro App und auch die Yandex.Taxi App, ​waren ganz großartige Hilfsmittel in Verbindung mit einer günstigen russischen Simkarte.

​Wie war der Kontakt mit den russischen Leuten?

​Immer sympathisch und freundlich, ob an der Metrokasse, im Supermarkt oder im Kiosk​. Man war immer sehr hilfsbereit, auch über Sprachschranken hinweg.

Simulator für Metrofahrer in Moskau

​Der U-Bahn Simulator im Metromuseum © Jens

Im Metromuseum gab es einen U-Bahn Simulator, der eine ganze Weile von zwei Jugendlichen besetzt war. Sie haben uns dann irgendwann den Platz angeboten und eine Einweisung g​egeben, wie man den Simulator bedient, also Metro fährt.

Sicher nicht in fehlerfreiem Englisch, aber wir haben uns verstanden und hatten viel Spaß bei der Sache.

Wie seid Ihr von Moskau nach ​Wolgograd gekommen?

Russischer Zug im Bahnhof von Moskau nach Wolgograd

Der ​Zug von Moskau nach Wolgograd © ​Jens

Mit dem Zug! Ich baue auf Reisen gerne Bahnfahrten ein und auch hier hat sich in Russland viel getan. Man kann die Tickets online buchen und muss sie auch nicht mehr, wie vor einigen Jahren noch, vor Ort gegen Fahrkarten umtauschen. 

Wir waren in einem Premium Schlafwagenabteil mit eigenem Bad für 18 Stunden unterwegs, haben besten Service, leckeres Essen und sehr freundliche RZD Mitarbeiter genossen. Und was noch wichtiger ist, wir haben sogar gut geschlafen. Unbedingt empfehlenswert.

Fahrgäste im Zug von Moskau nach Wolgograd

Im Zug nach Wolgograd © Jens

Wie hat ​Dir Wolgograd gefallen?

Wolgograd hat mir gut gefallen, es steht in einem gewissen Kontrast zu Moskau und ist authentischer, weil es eben keine Vorzeigestadt, wie eben die Hauptstadt oder S​ankt Petersburg ist. 

Mutter Heimat Statue in Wolgograd

​Mutter Heimat Statue in Wolgograd © Jens

Auch hier haben WM Spiele stattgefunden, entsprechend gibt es ein neues Fußballstadion und man hat auch sonst das eine oder andere aufgehübscht​. Sicherlich bekommt man hier aber eher ein Bild davon, wie es sich in Russland lebt, als wenn man sich rund um den Roten Platz aufhält.

Welche Plätze kannst Du hier besonders empfehlen?

Hauptsehenswürdigkeit ist der Mamarjewhügel mit der Mutter Heimat Statue, der im zweiten Weltkrieg heftig umkämpft war und insofern natürlich ein spannender historischer Schauplatz ist. In recht heroischer Weise wird hier den Verdiensten der Sowjetsoldaten gedacht, mit ewiger Flamme und Wachablösung.

Mutter Heimat Statue in Wolgograd

​Der Mamarjewhügel mit der Mutter Heimat Statue © Jens

Die Stadt selbst ist aber auch sehenswert​. Hier glänzt man noch mit ein paar Schauplätzen und Museen, die sich naheliegenderweise mit der Schlacht um Stalingrad beschäftigen. Idyllisch ist natürlich auch ein Spaziergang auf der, oberhalb der Wolga gelegenen, Promenade. 

Außerdem waren wir noch auf dem deutschen Soldatenfriedhof in Rossoschka, unerwarteterweise einer der ergreifendsten und nachhaltigsten Momente der gesamten Reise.

Friedhof für deutsche gefallene Soldaten in Wolgograd

​Soldatenfriedhof in Rossoschka bei Wolgograd ​© Jens

Wie hat Dir die russische Küche geschmeckt?

​Soljanka geht immer. Die russische Küche ist recht gehaltvoll und schmackhaft​ - vielleicht etwas fleischlastig. Man sollte aber unbedingt mal in ein Russisches Restaurant gehen, das einen vielleicht nicht auf den ersten Blick anspricht.

Austauschbares Design und austauschbare Gerichte findet man ja überall auf der Welt. Insofern kann ich jedem nur raten, seine Schwellenangst mal zu überwinden.

Hat sich durch Deine bisherigen Reisen das Bild von Russland / den russischen Menschen verändert?

Nein, nicht wirklich​. Ich war das fünfte Mal in Russland und das weil ich das Land mag und weil es viel zu entdecken gibt​. Ich habe die Russen immer als gastfreundliches und hilfsbereites Volk kennen- und schätzen gelernt​. Die russische Seele ist auf jeden Fall erlebenswert.

Ewige Flamme in Gedankhalle in Wolgograd

Die ewige Flamme in Wolgograd ​© Jens

​Hat Dir auf der Reise auch etwas nicht so gut gefallen? Gab es irgendwo Probleme?

​Nee, gar nicht. Es hat wirklich alles prima geklappt, wir hatten überhaupt keine Probleme! Nirgends.

​Würdest Du im Nachhinein etwas anders machen? Sei es bei der Reisevorbereitung oder vor Ort?

​Nein, gar nichts​. Alles hat so geklappt, wie wir uns das vorgestellt haben​ und wir haben gesehen, was wir vorher geplant haben (und noch mehr)​. Genauso würde ich es wieder machen.

Wirst Du wieder nach Russland reisen? Wenn ja wohin?

Unbedingt​! Ich hätte da noch so Orte wie Murmansk, Wladiwostok oder vielleicht das Altai Gebirge auf dem Zettel. Spannend fände ich auch mal einen Roadtrip mit dem Auto durch Russland.

​Vielen Dank Jens, für das nette Gespräch und Deine vielen interessanten Eindrücke! Deine weiteren Reiseziele klingen toll und ich bin auf Deine Berichte gespannt.

Wie hat Dir das Gespräch mit ​Jens gefallen? Warst Du selbst schon einmal in Moskau ​oder ​Wolgograd unterwegs? Erzähle mir von Deinen Erlebnissen!​

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