[Reisebericht] Moskau und Sankt Petersburg mit Matthias und Jochen

[Reisebericht] Moskau und Sankt Petersburg mit Matthias und Jochen

Ich habe mit Matthias und Jochen über ihre Reise nach Russland gesprochen. Sie sind Leser von "Russland erleben" und so kamen wir bereits im Vorfeld der Reise in Kontakt und ich konnte schon einige Fragen beantworten.

Ihre Reise führte sie im Juli 2019 nach Moskau und Sankt Petersburg und sie sind erst kürzlich wieder zurückgekommen. Matthias und Jochen haben die Reise selbst organisiert und können Dir dadurch extrem spannende Einblicke in die Vorbereitung geben.

Wir haben darüber gesprochen was man in Moskau und Sankt Petersburg nicht verpassen darf, wie die Kommunikation vor Ort verlief und auch wie sich ihr Bild von Russland und den Menschen nach der Reise verändert hat.

"Dadurch, dass wir uns selbst um alles gekümmert haben, bleibt vieles besser im Gedächtnis und man erlebt eine Stadt ganz anders, als wenn man nur einer Gruppe hinterherläuft."

Hallo Matthias, hallo Jochen, stellt Euch bitte kurz vor.

Wir sind zwei Jungs, ü50 die immer noch gerne mal was Anderes erleben wollen und offen mit Neuem umgehen.

Wie seid Ihr darauf gekommen nach Russland zu reisen?

Wir waren privat schon viel in Zentraleuropa und beruflich ​auch schon mal in der Welt unterwegs und wollten einfach mal etwas Neues machen. Das ​Unbekannte hat uns gereizt. Jeder hat von Moskau und Sankt Petersburg geschwärmt und wir haben dort auch einen Bekannten, den wir noch einmal besuchen wollten.

Wir wollten nicht in die USA oder in ein anderes Land, wo es die Masse hinzieht, sondern in ein (für uns) neues Terrain - den Osten und Russland.

Warum habt Ihr die Reise individuell gemacht und nicht mit einer geplanten Reise einer Reiseagentur?

Anfänglich dachten wir uns, dass man Russland aufgrund der Sprache nur als Pauschalreise machen ​sollte. Wir haben uns in diese Richtung dann auch bei russischen Agenturen in Stuttgart informiert. D​och die Angebote passten zeitlich und auch vom Programm-Kosten-Verhältnis für uns ​gar nicht. Zudem sind wir nicht die Gruppenfähnchen-Nachläufer.

Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau

Die Christ-Erlöser-Kathedrale © Matthias und Jochen

Wir wollten einfach nicht der Masse hinterher laufen oder viel Geld für z.B. eine Metrostation Tour ausgeben, obwohl das uns letztendlich nur 2 x 34 Rubel kostete. Außerdem: Je mehr man sich vorab zum Selbermachen vorbereiten muss, desto eher versteht man alles und desto gewohnter wird alles.

Wir haben dann mit russischen Arbeitskollegen gesprochen, die uns versichert haben, dass so eine Reise in gr​oße Städte auch auf eigene Faust zu machen ist. So waren wir zeitlich flexibel und die Sache mit der Sprache ​klappte auch.

Wie habt Ihr Euch dann vorbereitet?

Wir haben die Organisation selbst in die Hand genommen. Wir fanden zuerst ​Deine locker, kurz und doch detailliert beschriebene Internetseite​. Zudem haben wir noch weitere Internetseiten studiert und daraus für uns die nötigen Informationen gesammelt.

Hattet Ihr Sorgen vor der Reise oder wart Ihr ganz locker und voller Vorfreude?

Klar hatten wir zuerst Fragen bezüglich der Sprache und Lesbarkeit der Schrift. Nachdem uns aber viele Leute sagten, es ist mit Englisch machbar und wir bereits Erfahrung aus anderen Großstädten wie Athen, Shanghai oder Bangkok hatten, waren wir entspannt oder besser gesagt gespannt, denn die Vorfreude überwiegte klar.

Habt Ihr bereits russische Sprachkenntnisse?

N​ein, definitiv nicht. Auch danach ist nicht so viel hängen geblieben. Nach einer Weile konnten wir aber schon das ein oder andere kyrillische Wort entziffern.

Was waren Eure ersten Eindrücke beim Start in Moskau?

Wir hatten so eine Vorstellung von Großstadtflair wie in Paris oder Berlin, doch wir erlebten Sauberkeit, Offenheit, Freundlichkeit und ein funktionierendes System.

Metrostation Komsomolskaja in Moskau

Metrostation Komsomolskaja in Moskau © Matthias und Jochen

Es lag nichts auf dem Boden und sogar die Metrostationen waren sauber mit strahlend weißen Decken. Die Stationen sind wirklich sehr schön. Wir haben sie in Moskau insgesamt 3 Stunden angeschaut. 

Dafür war die Fahrt mit der Metro extrem laut. Man kann sich zwischen den Stationen auf jeden Fall nicht unterhalten. Es gibt aber für jede Station auch eine gut verständliche Ansage auf Englisch.

Was habt Ihr alles entdeckt und welche Sehenswürdigkeiten waren besonders interessant?

Roter Platz mit Basilius-Kathedrale in Kreml

Der Rote Platz mit Basilius-Kathedrale und Kremlmaur © Matthias und Jochen

Wir haben natürlich die wichtigsten Sehenswürdigkeiten Moskaus abgehakt. Roter Platz, Kreml, Basilius-Kathedrale, GUM-Kaufhaus, Bolschoi-Theater, Christ-Erlöser-Kathedrale, Gorki Park, Sperlingsberge und einiges mehr.

Das GUM-Kaufhaus hat uns wirklich sehr beeindruckt. Wir haben schon viel gesehen, aber das hat noch einmal alles übertroffen. Ein wunderschönes altes Gebäude mit den Glaskuppeln und der tollen Galerie.

Das GUM Einkaufszentrum in Moskau

Das GUM Einkaufszentrum © Matthias und Jochen

Wir haben uns aber auch einfach durch die Stadt treiben und alles auf uns wirken lassen. Auch eine schöne kleine Kirche, die Khram Sergiya Radonezhskogo, haben wir in der Nähe unseres Hotels entdeckt.

Einen Tag ging es auch mit dem Zug nach Sergijew Possad, eine Station auf dem Goldenen Ring um Moskau. Hier haben wir uns das Dreifaltigkeitskloster angeschaut. Bei​m Ticketkauf am Bahnhof hat uns übrigens eine freundliche Russin geholfen. Eine solche Hilfe ist durchaus üblich in Russland - einfach fragen und Dir wird geholfen!

Wie hat es mit der Kommunikation und Orientierung geklappt?

Mit Hilfe von Händen und Füßen und auf Englisch. Auch der Google Übersetzer hat uns sehr geholfen. Er bietet sehr viele Möglichkeiten und hat uns z.B. bei der Kommunikation am Fahrkartenschalter, am Katharinenpalast oder am Moskauer Flughafen weitergeholfen.

Ein guter Tipp ist es auch, sich bei Kommunikationsproblemen einfach mal umzudrehen und in die Schlange dahinter zu schauen. Normalerweise kann so immer jemand weiterhelfen.

Am Flughafen in Moskau wollten wir direkt am Flughafen die günstige Tele 2 SIM-Karte (Мой Tele2: 7 Rubel/Tag) für 100 Rubel kaufen, allerdings konnten die Mitarbeiter praktisch kein Englisch und konnten uns nur die "normale SIM-Karte" anbieten. 

Roter Platz in Moskau mit GUM und Kreml

Der Rote Platz mit dem GUM, der Kremlmaur, dem Lenin-Mausoleum und dem historischen Museum © Matthias und Jochen

Wir haben uns mit Hilfe der Übersetzer App unterhalten und dann erfahren, dass dieser günstige Tarif nicht unbedingt für Touristen gedacht und nur in der Stadt verfügbar ist. 

Die SIM-Karte haben wir uns dann schlussendlich in einem Geschäft im Zentrum geholt. Es ist also nicht immer gesagt, dass die Mitarbeiter am Flughafen auch gut Englisch sprechen.

Hattet Ihr weitere Hilfsmittel oder bestimmte Handy Apps?

Wir haben wie gesagt die SIM-Karte von Tele 2 mit 5 GB/Monat und nutzten die Apps Google Maps, Google Translate und den Währungsumrechner XE. Auch die Yandex.Metro App war sehr hilfreich.

Gab es Probleme beim Thema Sicherheit?

Gar nicht. Wir haben uns jederzeit sehr sicher und willkommen gefühlt. Natürlich muss man wie in jeder Großstadt in der Menge auf sein Gepäck achten, aber das ist ja überall so. Wir haben nie Angst um uns gehabt.

Wie war ansonsten der Kontakt mit den russischen Leuten?

Wir selbst sind offene Menschen und haben auch den Kontakt gesucht. Die russischen Menschen waren immer hilfsbereit und wir haben uns wohl gefühlt. Auch im Restaurant haben wir immer wieder festgestellt, dass die Leute fragen und offen und ehrlich kommunizieren.

So etwas hätten wir vielleicht auf dem Land erwartet, aber dass die Menschen auch in den großen Städten so hilfsbereit sind hat uns schon sehr erstaunt. Das haben wir in anderen Großstädten eher nicht erlebt. 

Einmal wollten wir abends nach dem Abendessen in einem Restaurant noch in eine Bar und das Servicepersonal ​hat direkt alles für uns organisiert und dort Bescheid gegeben, dass wir noch kommen. Sehr positiv.

Wie seid Ihr von Moskau nach Sankt Petersburg gekommen?

Sapsan Zug

Der Sapsan Zug © Matthias und Jochen

Wir sind mit dem schnellen Sapsan-Zug gefahren, wie es die Russen auch tun. Gebucht hatten wir schon Monate davor! Die Buchung ging eigentlich ganz einfach über die Internetseite der Russischen Bahn. Auf Englisch umgestellt, hat die Buchung ganz gut geklappt. Wir hätten die Tickets auch über das Reisebüro buchen können, dann aber natürlich auch einen höheren Preis bezahlt.

Wie hat Euch Sankt Petersburg gefallen?

Eremitage in Sankt Petersburg

Der Winterpalast der Eremitage

​Was 1703 Peter der Großen auf einem Sumpfgebiet in Meeresnähe angefangen hat, ist heute immer noch faszinierend. Es gibt noch mehr Prunk und noch mehr Gold.

Allerdings hat uns die Stadt an sich nicht so angesprochen wie Moskau. In Moskau gibt es kleine Häuser, große Häuser, mittlere Häuser. In Sankt Petersburg gibt es das nicht, hier sind alle Gebäude gleich hoch und ähnlich gebaut.

​Es sind beide Städte schön - doch Sankt Petersburg halt auf eine andere Weise. Es gibt große Kreuzungen und große Straßen und das Überqueren ist teilweise für die Fußgänger nicht so gut gelöst.

Was habt Ihr dort alles entdeckt?

Auch hier haben wir uns hauptsächlich an die wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Sankt Petersburg gehalten. Eremitage, Auferstehungskirche, Kasaner Kathedrale, St. Isaak Kathedrale, Peter-und-Paul-Festung, Smolny Kathedrale und natürlich noch vieles mehr. Wir waren auch in Puschkin ​und im Katharinenpalast und im Schlosspark des Peterhof.

Schloss Peterhof

Schloss Peterhof © Matthias und Jochen

Ansonsten haben wir uns in der Stadt treiben lassen. Durch Zufall sind wir abseits der großen Straßen beim Vier-Jahreszeiten-Hotel auch durch einige Innenhöfe und Parks gekommen, die uns gut gefallen haben. Auch das Etagi-Loft mit einer tollen Dachterasse können wir empfehlen.

Habt Ihr auch die russische Küche probiert? Wie hat es geschmeckt?

Das Essen hat uns qualitativ sehr gut geschmeckt, allerdings hätten die Portionen teilweise schon ein bisschen größer sein können. Auch die Einrichtung und das Ambiente der Restaurants waren ansprechend, die Leute freundlich und wir sind gut bedient worden.

Am Anfang hatten wir einige Vorurteile, da wir auch schon in Tschechien, Polen, Rumänien und Bulgarien waren und dort die örtlichen Speisen gegessen hatten.

Es ging dort immer eher in Richtung Hausmannskost, weshalb wir in Russland positiv überrascht wurden. Die Speisen waren sogar in kleinen Restaurants schön hergerichtet und haben sehr gut geschmeckt.

Hat sich durch die Reise Euer Bild von Russland / den russischen Menschen verändert?

Ja, definitiv! Wir, die Generation vor der Wende, hat von den Russen ein Gegnerbild erhalten. Mit der Zeit und den eigenen Erfahrungen haben wir nun eine eigene Meinung von den Amerikanern bekommen, doch von deren Gegenspielern, den Russen hatten wir noch kein eigenes Gespür erhalten.

Kasaner Kathedrale in Sankt Petersburg

Die Kasaner Kathedrale © Matthias und Jochen

Das konnten wir nun nachholen und - eigentlich wie erwartet - sind es wie überall auf der Welt nette und zuvorkommende Menschen. Hinter die Politik und deren Apparat können wir genauso wenig schauen, wie in den USA oder China oder sonst wo.

Was hat Euch auf der Reise nicht so gefallen?

Da tuen wir uns echt schwer etwas zu finden. Eines vielleicht. Die extremen Abgase in Sankt Petersburg von PKW, LKW und Schiffen. Besonders bei der nächtlichen Öffnung der Schlossbrücke, hat uns der Wind die ganzen Schiffsabgase ins Gesicht geblasen. Das war wirklich unangenehm.

Würdet ihr im Nachhinein etwas anders machen? Sei es bei der Reisevorbereitung oder vor Ort?

Nein, nicht dass uns was einfallen würde. Dazu solltet ihr natürlich wissen, wie wir uns vorbereitet haben. Wir haben alles frühzeitig vorbereitet und geplant.

​Unsere Nachbarn waren 4 Wochen vor uns mit einer geführten Pauschalreise ebenfalls in Moskau und Sankt Petersburg. Sie haben auf ihrer Reise viel gesehen, doch ich möchte behaupten, dass wir diese Städte mehr erlebt haben.

Peter und Paul Festung in Sankt Petersburg während den Weißen Nächten

Die Peter-und-Paul-Festung während den Weißen Nächten © Matthias und Jochen

Dadurch, dass wir uns selbst um alles gekümmert haben, bleibt vieles besser im Gedächtnis und man erlebt eine Stadt ganz anders, als wenn man nur einer Gruppe hinterherläuft.

Wir hatten die eine oder andere Herausforderung, aber welche Geschichte erzählst Du später Deinen Kindern? Das sind genau die Geschichten die herausfordernd waren, wo Du etwas Besonderes erlebt hast.

Würdet ihr noch einmal nach Russland reisen? Wenn ja wohin?

Wir waren in Moskau und Sankt Petersburg. Moskau war unser erster Eindruck, der bekanntlich mehr ins Gewicht fällt. Dieser Eindruck war sehr positiv. Ja, dorthin würden wir wieder reisen, aber nach Sankt Petersburg vielleicht nicht mehr so schnell, weil wir viel gesehen und dieses abgehakt haben und somit kurzfristig keinen Bedarf mehr sehen.

Moskau pulsiert mehr und da können wir bestimmt auch noch mehr erleben. Nach Moskau werden wir bestimmt nochmals reisen. Vielleicht dann in Verbindung mit dem Goldenen Ring.

Ob es auch mal Irkutsk wird, wissen wir noch nicht. Interessant wäre eine Reise dorthin bestimmt, denn dort würden wir dann mehr von den eigentlichen Russen kennen lernen als in einer Multi-Kulti-Hauptstadt.

Vielen Dank für dieses interessante Gespräch. Es war mir eine Freude! Danke auch für Eure tollen Bilder, die ich für den Artikel verwenden durfte.

​Danke Dir Markus, dass wir eingeladen wurden, ​Dir und ​​den Lesern ​Deiner Website unsere Erfahrungen weitergeben zu dürfen.

Wie hat Dir das Gespräch mit Matthias und Jochen gefallen? Warst Du selbst schon einmal in Moskau und Sankt Petersburg unterwegs? Erzähle mir von Deinen Erlebnissen!

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