Burjatien – Republik der Ureinwohner des Baikalsees & Tor nach Asien
buddhistischer Tempel vor den Bergen in Arschan

Burjatien – Republik der Ureinwohner des Baikalsees & Tor nach Asien

Die Republik Burjatien mit der Hauptstadt Ulan-Ude befindet sich in Sibirien und beinhaltet weite Teile des Baikalsees und den umliegenden Gebieten. Hier leben neben den Burjaten auch Russen und andere Ethnien.

Die Burjaten kamen ursprünglich aus der Mongolei zum Ufer des Baikalsees, den sie dann besiedelten. Man sieht ihnen die Herkunft direkt an, da sie zumeist ein rundliches Gesicht, dunkle Haare und dunkle Augen haben.

Ich werde Dir nun einige spannende Informationen zur Geschichte des Landes, der Einwohner und auch zum Verständnis der Kultur und Lebensweise der Ureinwohner des Baikalsees liefern.

1) ​Allgemeine Infos zu ​Burjatien

Lage

Burjatien ist eine Republik in Ostsibirien, die im Süden an die Mongolei grenzt und den Baikalsee von Süden nach Norden fast völlig in der Form eines Halbmondes umgibt. Die südliche Grenze zwischen Burjatien und der Mongolei ist dann auch gleichzeitig die offizielle Staatsgrenze zur Russischen Föderation.

Die Hauptstadt von Burjatien ist Ulan-Ude, welche auch ein Zwischenstopp auf der Strecke der Transsibirischen Eisenbahn ist. Ulan-Ude ist dabei 5.532 km von Moskau entfernt.

Nahe gelegene Regionen sind zum einen die Oblast Irkutsk mit der gleichnamigen Hauptstadt, die die andere Seite des Baikalsees umgibt. Zum anderen grenzt weiter östlich das Zabaikalski Gebiet mit der Hauptstadt Tschita an. Im Westen grenzt Burjatien zudem an die Republik Tuwa mit der Hauptstadt Kysyl.

Fläche und Bevölkerung

Die Fläche von Burjatien beträgt 351.300 km². Die Republik ist damit fast so groß wie Deutschland! Damit ist Burjatien aber nur an 15. Stelle der größten Regionen Russlands.

Durch die Republik führt auch die staatliche Autobahn "Baikal", die von Irkutsk bis Tschita verläuft. Zudem führt eine Autobahn von Ulan-Ude über Kyachta bis nach Altanbulag in die Mongolei. Im Norden von Burjatien führt zudem die Baikal-Amur-Magistrale, kurz BAM, vorbei.

burjatische und russische Kinder

russische und burjatische Kinder

Die Bevölkerung von Burjatien liegt nur bei rund einer Million Einwohnern, was eine extrem niedrige Bevölkerungsdichte zur Folge hat. Davon sind etwa 650.000 Russen und 350.000 Burjaten.

Sie wohnen aber sehr friedlich zusammen. Die Kinder besuchen gemeinsam die Schule, Universität und später ihre jeweilige Arbeitsstelle.

Zeitzone und Klima

Die Zeitzone teilt sich Burjatien mit der Oblast Irkutsk. Man ist hier also 5 Stunden vor der Moskauer Zeit, was der internationalen Bezeichnung UTC +8 entspricht.

Das Klima in Burjatien ist extrem kontinental und kann sehr windig sein. Die Luft ist trocken und es gibt nur einen kurzen, etwa 3 Monate andauernden, Sommer. Die Temperaturen sind dafür aber mit 26 °C sehr angenehm und es gibt in Burjatien sogar 300 Sonnentage im Jahr.

Im Winter gehen die Temperaturen natürlich in den Keller und sie können dabei auch mal -25 °C betragen. In Extremfällen können die Temperaturen auch noch auf -40 bis -50 °C fallen.

Natur und Landschaft

Die Landschaften in Burjatien sind ziemlich unterschiedlich. Im südlichen Bereich in der Umgebung von Ulan-Ude und in der Nähe zur Mongolei gibt es Steppen. Im Norden ist dagegen teilweise schon Permafrost und das Gebiet zählt bereits zum extremen Norden Russlands.

Das Gebiet rund um den Baikalsee ist dann wieder anders. Es gibt Sandstrände über hunderte Kilometer Länge, viele Bäume und auch kleinere Berge die den See umfassen.

Holzhäuser in Burjatien

Ganz im Süden an der Grenze zur Mongolei, gibt es dann im Ost-Sajan-Gebirge richtig hohe Berge. Der Höchste ist dabei der Munku-Sardyk mit 3.491 Metern. Das Gebirge rund um das Tunka-Tal wird auch als "Tunkische Alpen" bezeichnet.

In Burjatien ist die Natur so reichhaltig ausgeprägt, dass es viele große Naturschutzgebiete und zahlreiche Nationalparks gibt. Die größten Naturschutzgebiete sind dabei "Baikalski" und "Dzherginski". Bei den Nationalparks sind dies "Zabaikalski", "Tunka" und "Schumak".

2) ​​So kommst Du nach Burjatien

​Nach Burjatien kommst Du am einfachsten über Irkutsk mit dem Flugzeug oder der Transsibirischen Eisenbahn. Da es sich ja im Prinzip um ein Bundesland handelt, ist die genaue Anfahrt dann auch von Deinem Ziel in Burjatien abhängig. 

2.​1) Mit dem​ Flugzeug

Es gibt leider keine Direktflüge nach Irkutsk oder Ulan-Ude von Deutschland aus. Es ist deshalb ein Gabelflug über Moskau nötig. Von Deutschland bis Moskau beträgt die Flugzeit ca. 3 Stunden. Von Moskau bis Irkutsk oder Ulan-Ude kommen dann noch einmal 5 Stunden und 30 Minuten hinzu.

2.2) Mit dem Zug

Da sowohl Irkutsk, als auch Ulan-Ude auf der Strecke der Transsib liegen, ist auch der Zug eine Anreisemöglichkeit. Hier bist Du von Moskau aus 3 Tage unterwegs und kannst Dir mit dieser Fahrt einen Lebenstraum erfüllen.

3) Geschichte von ​Burjatien

Das Baikal Gebiet und die nähere Umgebung wurden vor  50 - 80.000 Jahren besiedelt. Das beweisen archäologische Stätten, Artefakte und menschliche Überreste der Ureinwohner, die gefunden wurden.

Es gibt auch einige Höhlen und Orte in Burjatien, wo Du antike Malerei an Wänden oder auf Steinen sehen kannst. Früher wurden Vieh, Vögel, Jäger, Schamanen und magischen Zeichen gemalt. Die Malereien sind aus der Bronze- und Eisenzeit.

Burjatin trinkt Wasser vor Bildern einer Ausstellung

© Ksenia Balzhieva

Vom 2. Jahrhundert vor, bis ins 2. Jahrhundert nach Christus, haben Nomaden aus dem Stammesverband der Hunnen das mongolische Plateau besiedelt. Anschließend wurde das Gebiet von der chinesischen Han-Dynastie übernommen.

Im 7. und 8. Jahrhundert wurde der Süden Burjatiens von den Ostturken kontrolliert und dann von den Uiguren. Später haben verschiedene mongolische Stämme das Territorium von Burjatien besiedelt, welche aus Nord-China und der Mongolei kamen.

1206 wurde das Große Mongolische Reich durch Dschingis Khan gegründet, was auch das Gebiet von Burjatien beinhaltete. Nach dem Zusammenbruch des Reichs, wurden separate Staaten und Regionen gebildet, wobei Burjatien noch bis ins 17. Jahrhundert zur Mongolei gehörte.

Die ersten russischen Entdecker kamen nach Burjatien

1628 kamen russische Entdecker erstmal in den burjatischen Bereich entlang des Angara Flusses und 1639 dann zum Baikalsee. 1648 wurde die Festung "Barguzin Ostrog" gegründet und die Region damit intensiver erforscht und besiedelt. Einige Jahre später kamen dann auch die Klöster in Selenginsk und Posolskoje hinzu.

Burjatin vor einem buddhistischen Tempel

© Ksenia Balzhieva

Im Jahr 1689 wurde der Vertrag von Nerchinsk über die Grenzen zwischen dem Russischen Reich und China unterschrieben. Nach diesem Vertrag gehörte das ganze Baikal-Gebiet dem Russischen Reich und das mongolische Gebiet China.

Die mongolischen Stämme wurden dadurch getrennt und einige Stämme bildeten dann das jetzige burjatische Volk. Im 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts wurden Altgläubige und dann auch Dekabristen nach Burjatien verbannt.

1917 wurde schließlich der erste nationale Staat der Burjaten namens "Burjat-Mongolien" ausgerufen. Am 30. Mai 1923 folgte dann die Bildung der Republik Burjatien, mit der Hauptstadt in Werchneudinsk, die dann 1934 in Ulan-Ude umbenannt wurde.

4) Kultur und Traditionen der Burjaten

Mann in burjatischer Nationalkleidung neben einer russischen Flagge

© Mischa Nikolaev

4.1) Kultur

Das wichtigste Merkmal der burjatischen Kultur ist die Gastfreundschaft. Für jeden Gast muss der Tisch reich gedeckt werden, wobei unbedingt Milchprodukte und Fleisch dabei sein müssen.

Traditionell war das Haus der Burjaten, wie in der angrenzenden Mongolei, eine Jurte. Der Eingang der Jurte ist dabei immer nach Süden gerichtet. Der nördliche Teil ist für Gäste, der östliche Teil für Frauen und der westliche Teil für Männer reserviert.

Bei der Gastbewirtung übergibt die Frau des Hauses bzw. der Jurte eine Schüssel mit Milch. Sie gibt die Schüssel dabei mit beiden Händen oder nur mit der rechten Hand weiter. Aus Respekt sollte der Gast die Schüssel in Empfang nehmen und dann auch trinken.

Vor der Jurte werden die Schuhe ausgezogen und im Inneren überreichen die Burjaten auch gerne ein Gastgeschenk. Dieses solltest Du als Gast ebenfalls nicht verweigern um ihnen Respekt zu zollen.

Burjatische Familie vor einem buddhistischen Tempel

© Ksenia Balzhieva

Das wichtigste für die Burjaten ist die eigene Familie und die Verwandtschaft. Sie kennen ihre Vorfahren über mehrere Generationen hinweg. Mindestens jedoch für 7 Generation!

Auch Kinder sind in der burjatischen Gesellschaft sehr wichtig und jede Familie hat normalerweise mindestens 2 Kinder. Wenn eine Familie keine Kinder haben kann, ist sie laut dem burjatischen Glauben von den Göttern bestraft worden. Diese Familien adoptieren dann oft Waisenkinder.

Zu einer richtigen burjatischen Hochzeiten werden nicht nur alle Verwandten, sondern gleich das ganze Dorf eingeladen. 500 oder mehr Gäste sind dabei keine Seltenheit. Die neue Familie erhält dabei großzügige Geschenke, wie z.B. eine Wohnung, ein Haus, ein Auto, Kühe oder Pferde.

4.​2) ​Traditionen

Das Feuer war für die Burjaten immer von großer Bedeutung. Es musste zu Hause immer ein Feuer brennen, da es heilig war. Wenn die Familie weitergezogen ist, musste der Feuerplatz unberührt hinterlassen werden.

Mit Feuer sind auch viele schamanistischen Rituale verbunden, bei denen immer große Feuer brennen. Laut dem burjatischen Glauben hat jeder Ort, jeder Baum, jeder Fluss, jeder See und jedes Naturgebiet einen eigenen Geist, den man respektieren soll.

Schamanenpfähle auf der Insel Olchon im Baikalsee

Bei einem Besuch in Burjatien werden Dir die bunten Bänder bestimmt gleich ins Auge stechen. Sie sind an Bäume oder Pfähle gebunden und tanzen im Wind. Für die Burjaten ist so ein Band immer auch mit einem Wunsch verbunden, der sich dann nach der Befestigung des Bandes irgendwann erfüllen soll.

In Burjatien gibt es viele heilige Orte, an denen die Gläubigen anhalten und für die Geister eine Gabe bereitstellen. Das kann dann eine Münze oder Zigarette sein, aber auch ein Schluck Wodka oder Milch wird gerne verwendet.

Es gibt viele traditionelle burjatische Feste, Volksspiele und Wettbewerbe. Eines der beliebtesten Feste ist dabei das Neujahrsfest "der weiße Halbmond" (auf Buryatisch "Sagaalgan"). Die Menschen tragen an diesem Tag traditionell weiße Kleidung und essen weiße Produkte, wie z.B. Milch, sauere Sahne und Quark.

4.​3) ​Essen

Burjatische Nationalgerichte Buuzy und Zuiwan

Burjatische Nationalgerichte Buuzy (Teigtaschen) und Zuiwan (Nudeln mit Gemüse)

Da die Burjaten ursprünglich Nomaden waren, haben sie auch eine nomadische Esskultur. Es werden sehr viel Fleisch und Milchprodukte gegessen, was auch mit der sehr verbreiteten Viehzucht zusammenhängt.

Das beliebteste Gericht ist dabei "Buuzy" oder "Posy". Es sind große runde gedämpfte Teigtaschen mit einer Fleischfüllung. Die Suppe "Bukhleor" ist eine starke Rinder-Boullion mit Kartoffeln und Zwiebeln.

Ich kann mich in diesem Zusammenhang noch gut an ein Gespräch mit einem burjatischen Schamanen auf der Insel Olchon erinnern, der meine vegetarische Lebensweise so gar nicht verstehen konnte. Wie kann ich denn ohne Fleisch überleben? Das kann doch nicht gesund sein und geht doch nicht.

5) Ulan-Ude - Die Hauptstadt von Burjatien

Iwolginsky Dazan in Ulan-Ude

Die Hauptstadt der Republik Burjatien ist Ulan-Ude mit einer Bevölkerung von 430.000 Menschen. Andere größere Städte sind noch Severobaikalsk mit 23.600,  Gusinoozersk mit 23.200 und Kyachta mit 20.000 Einwohnern.

In Ulan-Ude befindet sich der Flughafen "Baikal", den Du über inländische und internationale Flüge erreichen kannst. Auch den Hauptbahnhof der Stadt kannst Du von Russland, aber auch aus der Mongolei oder China erreichen.

Ulan-Ude ist eine kleine gemütliche Stadt, die bei Touristen besonders als kurzer Stopp auf einer Transsib-Reise beliebt ist. Die Nähe zum Baikalsee und zur Mongolei gibt Dir die Möglichkeit, die gemischte russisch-asiatische Kultur zu erleben und die schönsten Orte am Baikalsee zu genießen. Der buddhistische Einfluss der Stadt ist zudem sehr spannend.

Lenin Kopf Denkmal in Ulan-Ude

Du kannst in Ulan-Ude unter anderem das berühmte Lenin-Kopf-Denkmal und buddhistische Dazane sehen. Die schönsten Sehenswürdigkeiten von Ulan-Ude, habe ich Dir in einem separaten Artikel zusammengefasst.

​6) ​Religion und Mythologie des burjatischen Volks

Die Religionen in Burjatien sind vielfältig, denn sie haben sich durch den Zusammenfluss von Buddhismus, Schamanismus und Russisch-orthodoxer Kirche gebildet.

blauer Buddha in Arschan

Die Einwohner Burjatiens sind unter anderem Buddhisten, Schamanisten, Christen, Baptisten, Altgläubige und Muslime. Sie leben dabei ruhig und friedlich zusammen und respektieren den jeweils anderen Glauben.

Ursprünglich waren die Burjaten Schamanisten, weshalb auch bis heute noch die schamanistische Mythologie verbreitet ist. Sie wird unter den Einheimischen von Generation zu Generation als Legende weitergegeben.

Erst im 17. Jahrhundert, als die Russen nach Burjatien kamen, verbreitete sich auch die russisch-orthodoxe Kirche. Nach dem Bruch der Gläubigen im 18. Jahrhundert, wurden Altgläubige (Raskolniki) aus dem Westen Russlands nach Burjatien übersiedelt.

Später haben die mongolischen und tibetischen Lamas in der burjatischen Region den Buddhismus aktiv verbreitet. Ulan-Ude gilt heutzutage auch als das buddhistische Zentrum Russlands. 1991 wurde deshalb das 250-jährige Jubiläum des Buddhismus in Russland gefeiert.

Besuch des Dalai Lamas in Russland

Der Dalai Lama hat Russland 1992 besucht, woraufhin das erste buddhistische Frauenkloster eröffnet wurde. Heutzutage gibt es in Burjatien 14 buddhistische Datsane, 12 buddhistische Gemeinschaften, 17 russisch-orthodoxe Kirchen, 7 Altgläubige Gemeinschaften und 20 Zusammenkünfte anderer Glaubensrichtungen.

Burjatin vor Bildern einer Ausstellung mit dem Eis des Baikalsees

© Ksenia Balzhieva

Auch der Schamanismus hat für die burjatischen Menschen noch einen starken Einfluss. Sie gehen bei Problemen oder wichtigen Fragen zu einem Schamanen, um mehr über ihre Zukunft und die richtigen Entscheidungen zu erfahren. Ich war selbst auch schon auf der Insel Olchon bei einem Schamanen und seine Aura hat mich damals sehr beeindruckt.

Die Mythologie der Burjaten ist deshalb eng mit dem Schamanismus verbunden und es besteht weiterhin der Glaube, dass die Welt von Geistern (Tengri) regiert wird. Dabei befinden sich die guten Geister im Westen und die bösen Geister im Süden.

Jeder Geist ist für ein bestimmtes Naturereignis, eine Kraft oder ein bestimmtes Territorium verantwortlich. Ich habe damals auf der Insel Olchon auch eine Geister-Tour unternommen und mir die verschiedenen Kraftorte näher erklären lassen.

Der Schamanenfelsen auf der Insel Olchon im Baikalsee bei Sonnenuntergang

Der Schamanenfelsen zum Sonnenuntergang

Der berühmteste sakrale Ort ist der Schamanenfelsen, der sich auf der Insel Olchon im Baikalsee befindet. Er ist das 9. Heiligtum Asiens und durfte früher nur von Schamanen besucht werden, wenn sie dort ihre Rituale abgehalten haben. Laut dem schamanistischen Glauben lebt dort der Geist "Khan Khoto Babaj", der der Hauptgeist des Baikalsees ist.

Hast Du Interesse an der burjatischen Kultur und / oder warst schon einmal selbst an einem Platz in Burjatien unterwegs? Erzähle mir davon, ich bin gespannt!

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