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Erdbeben am Baikalsee [Wie oft und wie stark kommen sie vor?]

Erdbeben am Baikalsee - Tal mit Bergen im Hintergrund

Am Baikalsee gibt es zwischen 300 und 1.000 Erdbeben pro Jahr. Diese sind zum größten Teil aber kaum spürbar und verursachen keine Schäden. Etwa alle 5 - 10 Jahre gibt es aber auch stärkere Beben, die bis zur Stärke 11 auf der russischen MSK-64 Skala (Stärke 1 - 12) reichen.

Das stärkste Erdbeben mit Stärke 11 gab es 1957. Ganz aktuell gab es im September 2020 ein Erdbeben der Stärke 8 und am 10. Dezember 2020 ein Erdbeben der Stärke 7. Das Epizentrum der Erdbeben liegt grundsätzlich im Baikalsee oder in der Nähe bei den umliegenden Bergen.

Im rund 80 Kilometer entfernten Irkutsk ist das Beben dann immer nur in abgeschwächter Form spürbar. Trotzdem hinterlässt ein stärkeres Erdbeben auch hier deutliche Spuren. Erdbeben sind bei der örtlichen Bevölkerung also ein großes Thema und sorgen immer wieder für einen kurzen Schreck.

1) Wichtige Infos zu Erdbeben

Zerstörter Weg bei Erdbeben am Baikalsee

1.1) Wie entsteht ein Erdbeben?

Erdbeben entstehen besonders häufig bei einer plötzlichen Verschiebung entlang einer Bruchfläche der Erdkruste. Diese befinden sich vor allem an Plattengrenzen. Es baut sich durch die Reibung zweier Platten Spannung auf, die dann irgendwann so groß wird, dass sich die Platten von einander lösen.

Die daraus entstandene elastische Energie wird auf einen Schlag freigesetzt und führt zum Beben. Erdbeben können neben der Dynamik der Erdplatten auch durch vulkanische Aktivität, große Bergstürze und Menschen ausgelöst werden. Im dritten Fall z.B. durch Bergbauaktivitäten, Erdbohrungen oder das Aufstauen von Wasser.

Besonders stark von Erdbeben betroffene Gebiete sind Indonesien, Japan, Zentralasien, China, die Türkei, Italien, Griechenland und auch die Westküste von Nord- und Südamerika. Der Baikalsee ist ebenfalls ein sehr Erdbeben reiches Gebiet, allerdings sind die Erdbeben größtenteils sehr mild und nicht spürbar.

Erdbeben können nach dem heutigen Stand nicht vorhergesagt werden. Es sind aber Regionen bekannt, an denen es immer wieder zu starken Beben kommt. Für diesen Fall sind Erdbeben-Frühwarnsysteme eingeführt worden. Sie sollen das Erdbeben möglichst schnell erkennen und die Bevölkerung noch rechtzeitig warnen.

1.2) Wie wird die Stärke eines Erdbebens bestimmt?

1939 hat der amerikanische Seismologe Richter vorgeschlagen, eine Magnituden Skala zur Angabe der Stärke von Erdbeben zu erstellen. Die sogenannte "Richterskala" ordnet die Erbebenstärke in ein Raster von 1 bis maximal 10 ein, wobei der Wert 10 noch nie erreicht wurde.

Heute wird übrigens hauptsächlich die Momenten-Magnituden-Skala, für die genaue Bestimmung der Stärke eines Erdbebens benutzt. Diese reicht bis zu einem Wert von 10,6. Bei dieser Stärke würde die Erdkruste vollständig auseinanderbrechen.

In Russland wird seit 1964 die alternative MSK-64 Skala (Medwedew-Sponheur-Karnik) verwendet. Sie teilt die Erdbebenstärke in ein Raster von 1 bis 12 ein. Stärke 8 oder höher hat zerstörende Auswirkungen. Das aktuelle Erdbeben am Baikalsee (10.12.20) hatte lt. MSK-64 Skala eine Stärke von 7, was eine 5,5 auf der Richterskala bedeutet.

1.3) Wie bei einem Erdbeben verhalten?

Wenn es ein Erdbeben gibt, solltest Du nicht in Panik verfallen. Suche z.B. unter einem stabilen Tisch Schutz und achte auf andere Gegenstände die herunterfallen könnten. Wenn die erste Erschütterung vorbei ist und es sicher scheint, kannst Du das Gebäude verlassen.

Schnappe Dir die wichtigsten Sachen (Pass, Geldbeutel, Schuhe, Jacke) und begib Dich nach draußen. Hier wartest Du einfach mit etwas Abstand vor dem Haus unter freiem Himmel. Du solltest beim hinausgehen keine Aufzüge benutzen, da sie ausfallen und Du somit stecken bleiben könntest.

Bei einem sehr starken Erdbeben werden oft die Treppen in einem Mehrfamilienhaus zuerst zerstört. Da es ansonsten aber oft keinen anderen Weg nach draußen gibt, musst Du sie trotzdem benutzen. Das erste Beben ist immer das stärkste.

Die folgenden Nachbeben sind geringer und können einige Minuten, oder auch einige Stunden später stattfinden. Du kannst Dich also später auch wieder ins Haus begeben wenn die ersten Nachbeben vorbei sind. Leider können die Erdbeben bis heute noch nicht genau vorhergesagt werden.

Am Baikalsee hast Du aber zumindest keine extremen Stärken zu erwarten. Es kann zwar eine Hand voll starker Erdbeben pro Jahr geben, diese zerstören aber normalerweise keine Gebäude, sondern bringen alles nur ein bisschen zum wackeln.

2) Geologische Struktur des Baikalsees

Skriper Klippe am Großen Baikaltrail

Der Baikalsee befindet sich im Zentrum von Asien in der Oblast Irkutsk und der Republik Burjatien. Er hat die Form eines Halbmondes, der sich 636 Kilometer lang von Süd-West bis Nord-Ost streckt. Er ist mit einer Fläche von 31.722 km² sogar größer als Belgien oder Albanien.

Der Baikalsee ist 1.642 Meter tief und damit auch der tiefste See der Welt. Er liegt in einem Talkessel und ist von Gebirge umgeben. Der Talkessel ist durch den Akademischen und den Selenga Kamm noch einmal in einen südlichen, mittleren und nördlichen Talkessel unterteilt.

Besonders der Akademische Kamm ist sehr markant, auf dem sich auch die Insel Olchon und die Uschkany Inseln befinden. Der Baikalsee liegt an einem seismisch aktiven Grabenbruch, der jährlich 4 cm breiter wird. Deshalb wird der Baikalsee auch langsam aber stetig immer größer.

Der Grabenbruch ist 1.500 km lang und in dessen Zentrum befindet sich der Baikalsee. Westlich befindet sich die Eurasische Platte und östlich die Amur Platte, die sich in Richtung Japan bewegt. Durch diese unterschiedliche Bewegung entstehen am Baikalsee sehr oft kleine (und selten auch größere) Erdbeben.

Die etwa 80 km vom Baikalsee entfernte Stadt Irkutsk, liegt auf der relativ ruhigen Sibirischen Platte. Hier kommt es kaum zu Erdbeben und die Bewohner spüren nur die Beben am Baikalsee mit verminderter Stärke. Wenn am Baikalsee eine Stärke von 10 gemessen wird, kommt in Irkutsk noch eine Stärke von 6 - 8 an.

Die Beben haben aber größtenteils eine maximale Stärke von 4 der MSK-64 Skala und sind für die Einheimischen praktisch nicht zu registrieren. Die Menschen, die direkt am Baikalsee oder in den nahegelegenen Bergen wohnen, sind mehr an Erdbeben gewöhnt. Hier treten sie noch öfter und auch stärker auf.

3) Frühere starke Erbeben am Baikalsee

Aussicht vom Tscherski Pik

Das berühmteste Erdbeben am Baikalsee ist das Tsaganski Erdbeben von 1862. Es hatte eine Stärke von 10 auf der russischen MSK-64 Skala (bis Stärke 12) und verursachte große Schäden. Das Epizentrum befand sich im nord-östlichen Bereich des Sees am Selenga Flussdelta.

Fünf burjatische Dörfer wurden mitsamt den Häusern und 1.300 Einwohnern unter Wasser gesetzt und es entstand sogar ein Tsunami und große Wellen auf dem Baikalsee. Der Ort wird heute als Bucht "Prowal" (Bruch) bezeichnet. (Das Erdbeben am 10.12.20 hatte übrigens das gleiche Epizentrum in der Prowal Bucht.)

Im rund 80 km entfernten Irkutsk wurde noch eine Stärke von 8 auf der MSK-64 Skala gemessen. Noch im selben Jahr gab es zwei weitere starke Erdbeben am Baikalsee, die ebenfalls mit einer Stärke von 10 gemessen wurden und einige Schäden anrichteten.

Die nächsten starken Erdbeben fanden im 20. Jahrhundert statt und hatten Stärken zwischen 7 und 11 auf der MSK-64 Skala. 1903 und 1905 gab es Erdbeben mit einer Stärke von 5 bis 7 und 1950 folgte dann ein Beben mit Stärke 9. Das bisher stärkste Beben am Baikalsee mit einer brutalen Stärke 11 (von 12) gab es 1957.

1959 folgte ein Erdbeben mit Stärke 9, dessen Epizentrum genau in der Mitte des Baikalsees lag. Ein Erdbeben mit Stärke 10 fand 1967 statt und im Jahr 1995 folgte ein weiteres im Tunka Tal mit Stärke 7. Zudem gab es 1999 ein Erdbeben im Süden des Sees mit Stärke 7.

Im 21. Jahrhundert folgte am 27. August 2008 ein weiteres starkes Erdbeben. Am Baikalsee wurde es mit Stärke 10 und in Irkutsk mit Stärke 6 gemessen. Das Epizentrum lag beim Dorf Kultuk. In Kultuk und dem nahe gelegenen Sludjanka wurden dabei einige Häuser und sogar eine Schule zerstört.

Weitere starke Erdbeben im Jahr 2020

Die Einheimischen erinnern sich oft an diese Ereignisse und wissen dann auch immer noch, wo sie zum Zeitpunkt des Bebens waren und wie sie sich dann verhalten haben. Bei jedem neuen Beben kommen die alten Geschichten wieder hoch.

Sehr aktuell gab es am 22. September 2020 um 02.00 Uhr nachts, ein Erdbeben der Stärke 8. Das Epizentrum lag wieder einmal in der Nähe des Dorfes Kultuk im Süden des Baikalsees. In Irkutsk wurde noch eine Stärke von 6 gemessen.

Es gibt immer häufiger Erdbeben bei Kultuk und im Süden des Sees. Dies hat auch mit der Nähe zum Ost-Sajan-Gebirge und zum Khamar-Daban-Gebirge zu tun. Sie werden dabei vom Tunka-Tal abgegrenzt, dessen Kessel 200 km lang ist und bis in die Mongolei reicht.

Beim Bau der Baikalrundbahn, waren die Erdbeben bereits damals eine Gefahr und eine Sache die einkalkuliert werden musste. Bei einem Erdbeben gibt es häufig auch Felsstürze und das Abrutschen von Geröll. Die Bahnstrecke wurde deshalb schon oft beschädigt.

Aufgrund der häufigen seismischen Aktivitäten, dürfen Häuser an der Küste des Baikalsees maximal 7 Etagen haben. Im Norden des Baikalsees bei Sewerobaikalsk sogar nur 4 Etagen. In Irkutsk sind die Beben immer schon ein bisschen abgeschwächt, weswegen hier Gebäude mit bis zu 18 Stockwerken erlaubt sind.

Ganz aktuell fand nun am 10. Dezember 2020 ein weiteres Erdbeben am Baikalsee statt. Das Epizentrum lag in der Prowal Bucht und es hatte eine Stärke von 7 auf der MSK-64 Skala (etwa 5,5 auf der Richterskala). In Irkutsk wurde noch eine Stärke von 5,5 gemessen.

Warst Du schon einmal am Baikalsee und hast dabei vielleicht sogar selbst ein kleines Erdbeben erlebt? Ich bin auf Deine Erfahrungen gespannt. Schreib mir dazu in die Kommentare!

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  1. Ich war im August 2008 mit zwei Freunden für 10 Tage am Baikalsee und in Irkutsk (Olchon, KBSchD, Listwjanka, Bolschye Koty…). Der 27. August war unser letzter Tag dort. Zum Zeitpunkt des Erdbebens waren wir nach dem Frühstück in den Zimmern im Hotel Europa in Irkutsk, bereiteten uns auf den Tag in Irkutsk vor. Plötzlich ging es los, der Schrank und andere Möbel fingen an zu tanzen… Wir konnten uns danach schwer vorstellen, dass sich bei solchen Schwankungen im Gebäude keine Schäden ergeben haben. Auch sonst waren in der Stadt nur wenige und nur kleinere Schäden erkennbar. In Erwartung eines Nachbebens wurden die Leute aufgefordert, sich außerhalb der Häuser aufzuhalten. Bei unserer Erkundung von Irkutsk danach war es ein seltsamer Anblick, überall auf Straßen und Plätzen so viele Leute anzutreffen. Gegen Abend haben sich Straßen und Plätze schon wieder merkbar entleert.
    Das Nachbeben kam, allerdings erst am folgenden Tag, zu dieser Zeit am späteren Nachmittag waren wir schon kurz vor Ulan-Ude unterwegs im Zug und haben davon nichts mehr mitbekommen. Ich las davon dann erst nach unserer Heimkehr etwa zwei Wochen später.

    1. Hallo Johann,

      danke für diese spannenden Eindrücke! Das muss echt verrückt gewesen sein. Ich selbst habe bisher noch nie ein so starkes Erdbeben erlebt. Dann kannst Du ja nachfühlen, wie es den Leuten ganz aktuell wieder ergangen ist. Auch dieses Mal gab es wohl glücklicherweise keine größeren Schäden.

      Liebe Grüße
      Markus

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